Fußball WM für Browser-Nerds Im Büro

Wer´s nicht rechtzeitig geschafft hat sich auf Arbeit nen minikleinen DVB-T-Fernseher aufzustellen oder gleich frei zu machen und mit Bier vor eine riesen Public-Viewing-Glotze zu packen – dem könnte dieses nette Browser Plugin helfen:

FootieFox ist ein feines Plugin für den Chrome- und den Firefox Browser, das live die aktuellen Ergebnisses einblendet – kann übrigens nicht nur Fußball Weltmeisterschaften, sondern bringt auch noch Bundesliga-Alltag mit. Daten kommen von Kicker.de.

Prima. Jetzt kanns losgehen.

90 Minuten auf Chatroulette

Bei René habe ich vorgestern zum ersten Mal von Chatroulette gelesen. Chatroulette ist ein Service, der zufällig zwei teilnehmende Menschen miteinander via Video-, Audio- und Tastatur-Chat verbindet. Man drückt auf ”Play” und schon ist man mit irgendeinem Menschen aus irgendeinem Ort der Welt verbunden. Wenn man selbst oder der Gesprächspartner (”Stranger”) keine Lust mehr hat, drückt man ”Next” und wird mit einem zufälligen anderen Menschen verbunden. Klingt sehr simpel und gerade deswegen auch ziemlich genial.

Ich hab mich dann mal eingelogged. Aber ohne das eigene Videobild preiszugeben, klicken dich alle Strangers nach ca. 0,5 Sekunden weg. Der erste Test war also schnell beendet. Heute habe ich eine alte USB-Webcam im Schrank gefunden und um 18 Uhr einen zweiten Test mit Bild und Ton gestartet.

Irgendwelche Kids beleidigen mich. Mittelfinger. ”Loser!”, ”faaaaaat!” Da müssen also irgendwelche Aggressionen raus. Ich hab nur gelacht und *zapp* waren sie wieder weg. Ist Chatroulette der Klingelstreich 2.0: Beleidigen, solange man dem Gegenüber standhalten kann und dann ”Next” drücken? Ich bin plötzlich in einem biederen Wohnzimmer mit 4 Jugendlichen, die auf einem anderen Monitor schlechte Musikvideos schauen. Wir checken die Sprache aus: Englisch?! A petit peu… Ich bin in Marokko und man erklärt mir, Chatroulette wäre eine „Pervert Site“. Aha, deswegen die ganzen Schwänze von exhibitionistischen Herren. *zapp* Ein Junge in einer Darth Vader Maske scheppert „I am your Father!“ Ich breche in Lachen aus. Der Junge findet das lustig, aber er hat leider nicht viel mehr zu sagen. Next. Schon wieder gelangweilte Asiaten, die in pilotensitzartigen Sesseln im Internetcafe sitzen. Und wie die meisten Asiaten tragen sie Kopfhörer und verstehen kein Englisch. Schwierige Kommunikation mit Händen und gebrochenen Chat-Fetzen („funy“, „whre?“…). Es ist 18:30 und es sind mehr als 26.000 User auf Chatroulette eingelogged. Die meisten haben Kommunikationshemmungen. Viele sehen traurig und einsam aus, manche aber auch lustig mit Perücken, Masken und wilden Sonnenbrillen. Die meisten Mädels klicken mich sofort weg, die meisten gesichtslosen Schwänze zum Glück auch. 3 Lustige Japaner, die kein Wort verstehen, aber nett winken. Ich winke zurück. Next. 2 französische Paare in Paris, die in einem Raum Zigaretten rauchen. Wir reden etwas über Paris, Berlin und Südfrankreich. Jetzt bin ich schon 45 Minuten auf Chatroulette.

Kids, die ich für jünger als Mitte zwanzig halte, klicke ich sofort weg. Masturbierende alte Säcke auch. Ein Amerikaner sagt mir „cut your hair“ und klickt mich weg. Diesen Satz höre ich schon zum zweiten Mal. Ich will mich endlich mal mit Frauen unterhalten, um rauszufinden, warum sie denn hier sind. Aber alle klicken mich sofort weg. Mit Cheap Thrills fange ich an, Aufmerksamkeit zu generieren: Ich headbange, bewege meinen Kopf ruckartig in die Webcam und wieder weg (Ray Cokes Style) und suche lustige Objekte auf dem Tisch, die ich in die Kamera halten kann. 18:50 – Nur noch 10 Minuten, dann ist die geplante Stunde um. Ich sehe zwei jugendliche Paare, vielleicht Anfang 20. Der eine Typ fummelt seiner Freundin in Brusthöhe auf dem Shirt rum. Das Mädel fragt mich „do you want a strip?“. Ich sage ihr „if you’re an exhibitionist – go on”. Alle lachen. Niemand zieht sich aus. Wir quatschen noch ein bisschen, bis man mich irgendwann wegklickt. Oder hab ich sie weggeklickt?! In Chatroulette geht alles sehr schnell. Ich habe das Gefühl, diese Art der Kommunikation lässt einen noch einsamer werden. Irgendwie nervt das. Irgendwie macht es aber auch süchtig. 19:15 – Ich habe bereits überzogen. Ich lege einen Countdown fest und gebe mir noch 10 Strangers. Schwanz. Schwanz. „Paper Man“: Ein Typ mit einer Papiermaske, auf der „I am paper man – do you like me: Yes or No“ steht. Ich tippe „Yes“. Er erzählt mir, er sei ein Superhero. Der Vorletzte ist dann Tom, mit dem ich die einzige normale Unterhaltung in Chatroulette habe. Er lebt in Kalifornien und ist total aufgeregt, weil er nach der Arbeit ein Blind-Date mit einer Tamara hat. Im Hintergrund sehe ich Kinderzeichnungen an der Wand. Von seiner 7-jährigen Tochter sagt er. Wir reden noch über den Wahnsinn in Chatroulette und freuen uns beide, dass man auch normale Menschen hier treffen kann. Im Anschluss habe ich meine Notizen aus dem Textfile in diesen Text gegossen.

Aus der geplanten Stunde wurden also 90 Minuten. Es war irgendwie traurig und melancholisch, aber auch bunt und spannend wie das Leben (allerdings mit deutlich höherem FKK-Anteil). Die anarchische Radikalität von Chatroulette nervt und fasziniert mich gleichermaßen. Ich werde es als Party-Bookmark im Browser behalten und vielleicht irgendwann mal wieder „Next“ klicken.

See for yourself: Chatroulette

Fingerabdruck des Browsers

Ein technisches Merkmal das mir bisher völlig unbekannt war: Neben Vorratsdatenspeicherung und Identifikation via eindeutiger IP-Adresse oder Cookies gibt es die Möglichkeit einen User anhand seines Browser zu identifizieren.

Bei einem Test wurde mein Standardbrowser innerhalb der bisher knapp 190.000 getesteten Zugriffe eindeutig(!) identifiziert. Der spezifische digitale Fingerabdruck eines Browsers besteht dabei aus Browsertyp (z.B. Internet Explorer, Firefox…), Version, Spracheinstellung und der Bildschirmauflösung. Das alles wäre soweit kein zu großes Problem, da es tausende von Usern mit den gleichen Parametern gibt. Allerdings werden auch alle installierten Browser Plug-Ins und die installierten Schriften im Betriebssystem an den Server übertragen. Und genau mit diesen Parametern lassen sich eben alle, die etwas mehr als die Standardeinstellungen nutzen, recht gut unterscheiden. Mit meinem Chaos an im Netz gefundenen kostenlosen Schriften und den etlichen Plug-Ins ist mein Browser Fingerabdruck scheinbar recht einzigartig.

Mach den Test doch selbst!

[via Spreeblick]

20 Meter kollaborative Kunst: der Bettine Fries

Der Bettine Fries - kleiner Ausschnitt

20 Meter!

Ein echt immens langes Stück Kollaborations-Kunst entstanden aus einem Weiter-mal-klebe-schnippsel-pinsel-zeichen-Prozess mehrerer Illustratoren – eine quasi visuelle Kommunikation voll und ganz im Google Wave Stil, die sich in 97 Etappen am Leben der Bettine von Arnim (ja, die vom 5 Mark Schein) entlang hangelt.

Hat was und erzählt Bettinas Leben viel spannender als ihr Wikipedia Artikel.

Den Fries gibt´s  hier – geflasht.

Hier gibt´s Fotos von einer Ausstellung.

Ich meine: ganz großer Postsport. (Kommt aus der gleichen Ecke).

Schon wieder Twitterkrams

Best-of Twitter der letzten Wochen:

  • Neuer Anti-Prokrastinations Trick: Jeden Tag sofort(!) mit der unangenehmsten Aufgabe anfangen! Hat schon 2x geklappt…
  • Parmaschinken ist im Vergleich zu Käse, Antipasti und anderem viel zu günstig. Da läuft was schief! #Mediterrane Vitrine
  • Und Beruf haben wir auch: Wir sind Endverbraucher (Aus „beipflichten“ von Peter Licht) #lyrics
  • Ich liebe Sommerfilme in denen es immer heiss ist. Nachts mit zirpenden Grillen. „Swimmingpool“ (1968 mit Romy S. und A. Delon)
  • Hängende Pflanzenköpfe lassen sich mit etwas Wasser fix wieder aufrichten. Klappt mit meinem Kopf leider nicht #Terrassengarten
  • „Sommer ’04“: Ungewöhnlich gute deutsche Dialoge, kontemplative Kamera, spanneder Schnitt & Weirdness. 4/5 Sternen. #weet-a-movie
  • Ihr habt doch alle gefickt! #Musste mal getwittert werden
  • erwäge nach gestriger Diskussion erneut aus allen virtuellen Social Networks auszusteigen. #Analog ist Besser
  • Was machen wir alle wenn das Internet ausgestellt wird? #Analoge Communities
  • „The Man Who Fell to Earth“: Clockwork Orange meets Zabriskie Point. Aber trotz David Bowie in Hauptrolle nur 2/5 Sterne. #tweet-a-movie
  • „Marie Antoinette“: Kein Film aber ein 2 stündiges Musikvideo. 1.5/5 Sternen. #tweet-a-movie
  • Bilderbuchsonntag: Spätes Brunch, 3 Std. Wanderung, Flammkuchen, Filme, Bett.
  • „Lebens(w)ende“ – Doku eines Todkranken über Leben und Tod. Erwartungen nicht ganz erfüllt, aber sehenswert: 3/5 Sterne. #tweet-a-movie
  • „Lonesome Jim“: Durchschnittlicher Indie Streifen der etwas gelangweilt in der US-Provinz spielt. 2/5 Sterne. #tweet-a-movie
  • „Keine Lieder über Liebe“: Pseudo-/Halb-Doku mit gruselig authentischen Dialogen. Schon irgendwie sehr gut 3.5/5 Sterne! #tweet-a-movie
  • Asiaten manöverieren einen riesigen Miet-BMW in eine 3x so grosse Parklücke. 20x vor und zurück. #gendarmenmarkt
  • „Burn after Reading“: schmucke Besetzung, äußerst amüsante Verwechslungen, Hammer-Dialoge. 4/5 Sterne. #tweetamovie
  • Sonntagmittag im Zoo verbracht. Viel gesehen: Prolls, Touristen, Prekariat, dicke Kinder und ein paar Löwen.
  • Oma zum 89. Geburtstag gratuliert. Im Gespräch Angst vor dem Alter bekommen.
  • Bad Idea: Lebensmitteleinkauf nach einem Fastentag #Shopping-Mania
  • „Unser täglich Brot“: 90 Min. unkommentierte Horrorbilder aus der Lebensmittel-Industrie. Bio muss sein! 3.5/5 Sterne. #tweetamovie
  • Wenn Damenhöschen im Weltraum verschwinden wird der Dämon über die Steppe reiten!
  • „Sience of Sleep“: 1/5 Sterne. Zu gewollt absurd und zu Nahe an der (nicht) wunderbaren Amelie. #tweetamovie
  • Was twittert da?

    Der neuste 140-Zeichen-Scheiss aus meinem Twitterversum:

  • We’re eating more marshmallows than we’re producing – TED video quicky
  • Für meine Bekannten in den USA scheint der Begriff „Email“ völlig veraltet. Da wird nur noch via Facebook kommuniziert. #FB is the new email
  • Feeling so international: Gast aus Paris, der auch noch Musiker ist, schläft bei uns auf der Couch.
  • Trägheit sträubt sich gegen Ausgehgedanken.
  • Balkon-Cocooning.
  • Gestern nochmals gesehen: The Million Dollar Hotel. Wunderbar anrührend! Trotz Bono 4 von 5 Sternen. #tweet-a-movie
  • Teenagerin in Mitte am Handy: „Mama, das Problem bist du selbst – verstehe das endlich“ […] „Mama, jetzt wird es total lächerlich“ … etc
  • Wenn Gefährtin nicht mehr mit mir redet, liest sie offensichtlich meine Tweets!
  • Das Gegenteil von Glück ist nicht Unglück, sondern Langeweile #Erkenntnis
  • „Alpha Dog“ bekommt 4 von 5 Sternen für tolle Spiel/Ernst-Story und ansprechende Umsetzung #tweet-a-movie
  • hasst all diese bschissensten Superlativen überall. #Best Tweet Ever
  • Bin schon wieder voll im „Ich mach’s Morgen“-Modus #P-Word
  • Hier im Haus wird wieder ab 7.30 gebohrt. Ab 8.00 ist natürlich alles wieder ruhig. Danke! #fuckhead
  • Toll: Älteres Paar (65+) kriegt auf der Friedrichstr. einen Kuss-Anfall und umschlingt sich. Blockiert Gehweg. Hält den Menschenstrom auf.
  • 0,5 von 5 Sternen für „Terminator 4“. Den halben Stern gibt’s für den Mut einen inkonsistenten Film ohne Story zu machen #tweet-a-movie
  • Dreams came true can really be a pain in the as. #Auto
  • „Dazed and Confused“ (alter Linklater) bekommt 3,5 von 5 Sternen. Texanisches High School coming of age. #tweet-a-movie
  • Everywhere is walking distance (if you have the time) #quote
  • „Die Hochstapler“ bekommt 4 von 5 Sternen für die Lektion „Faith creates Reality“. http://www.hochstapler-film… #tweet-a-movie
  • Einfach mal Twitter & Facebook einen Tag zu ignorieren bringt überraschenderweise Effektivitätsgewinn. Nebenwirkung: Weniger Spass.